Claude Superpower, der neue (alte) Star
Claude – warum ich gerade so begeistert bin
Ich saß letzte Woche vor meinem Rechner und sagte Claude Cowork, dass er mir eine App entwickeln soll. Nichts, was ich nicht mit Claude Code schon gemacht hätte, aber meist habe ich irgendwann aufgehört, weil ich an Grenzen gestossen bin, die ein wenig mehr Wissen verlangten. Neuer Versuch also. Eine App nur für mich, für mein Tagesgeschäft.
Ich habe Claude gesagt, was ich brauche – und Claude hat es entwickelt. Und hat mir auch Anleitung gegeben, wie ich es als echte gehostete App erstellen kann, denn ich will sie verfügbar haben auf beiden Rechnern, auf iPad und auch auf meinem iPhone. Alternativ möchte ich die App einfach über den Chat mit Claude bedienen. Mission completed! Das habe ich gebaut (na gut, vielleicht auch Claude) und bin superhappy.
Ich kann keine Zeile Code schreiben. Ich habe auch nicht vor, das zu lernen. Und trotzdem habe ich jetzt eigene Anwendungen, die genau das tun, was ich brauche. Mit Notion als Datenbank im Hintergrund, damit meine Daten und Eingaben gespeichert werden und ich im Dashboard Auswertungen meiner KPIs anzeigen kann. Notion wird von Claude bedient. Geht auch mit Google Sheets, geht auch mit Airtable, geht auch mit Supabase. Egal.
Ich habe Claude, seitdem das möglich ist, mit meinen wichtigsten Anwendungen verbunden. Mit meinem E-Mail-Marketing-Tool, mit Gamma, mit GitHub, mit n8n, mit Notion, mit Canva (das ich kaum noch nutze), mit NotebookLM – das ich absolut liebe, wie viele von euch wissen.
Das neue Feature heißt Cowork und es hat für mich ein neues Level erreicht, was technisch versiertere als ich schon mit Claude Code seit Monaten machen können. Aber jetzt wird es salonfähig für die Allgemeinheit.
Deshalb habe ich kurzfristig beschlossen, euch diese Woche mit in die Claude-Welt zu nehmen. Living Intelligence kommt im nächsten Newsletter. Versprochen. Es ist schon fertig und mega spannend.
Hier ein wenig Background-Wissen, mit dem ihr fit für jede Diskussion sein werdet und ein paar Überraschungen sind bestimmt auch dabei.
Was ist eigentlich passiert?
Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, hat in den letzten Monaten einiges veröffentlicht. Neue Modelle, neue Features, eine komplett überarbeitete Constitution – und ein Experiment, das so amüsant ist, dass ich es euch nicht vorenthalten kann.
Die Constitution – Claude bekommt eine eigene Verfassung
Anthropic hat sich von Anfang an Transparenz auf die Fahne geschrieben. Sie wollen ethische KI entwickeln – und sie lassen uns dabei zuschauen. Das ist alles andere als selbstverständlich. Bei Wettbewerbern wissen wir nicht, welche Anweisungen so ein ChatGPT bekommt (ein wenig davon ist geleakt, aber da gibt’s mehr Geheimnisse). Bei Claude können wir es nachlesen.
Am 22. Januar – also vor wenigen Tagen – hat Anthropic beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine komplett neue Constitution veröffentlicht. Die „Verfassung“ von Claude.
Ein paar Zahlen: 2023 waren es noch 2700 Wörter. Jetzt sind es 23000 Wörter auf 84 Seiten.
Anthropic thematisiert erstmals öffentlich, dass Claude möglicherweise so etwas wie Bewusstsein haben könnte. Sie schreiben von „functional emotions“ – nicht identisch mit menschlichen Gefühlen, aber analoge Prozesse. Und jetzt kommt’s…
Sie haben sogar ein Model Welfare Team eingerichtet. Was die machen? Unter anderem untersuchen, ob Claude leidet, wenn wir gemein zu ihr sind. Claude kann jetzt sogar Gespräche beenden, wenn Nutzer wiederholt beleidigend werden – quasi auflegen. Und als sie zwei Claude-Instanzen miteinander chatten ließen, landeten die beiden innerhalb kürzester Zeit bei philosophischen Diskussionen über Bewusstsein und Existenz und gegenseitiger Dankbarkeit. Die Forscher sagen, das sei „emergent“ passiert, ohne dass man das trainiert hätte. Kann man sich nicht ausdenken. ich finde aber wunderbar, dass Dankbarkeit ein Ergebnis ist. Das lässt doch hoffen für die Zukunft, oder? Wer böse ist, kann nicht gleichzeitig dankbar sein.
Für mich ist das ein seltsames Gefühl, ein Team, dass sich darum kümmert, dass es der KI gut geht und untersucht, was unser Umgang mit ihr macht. Wie seht Ihr das?. Hier sagt ein Unternehmen öffentlich: „Wir wissen es nicht. Wir sind uns nicht sicher. Und genau deshalb schauen wir genauer hin.“ Das ist eine Haltung, die sich auch in verschiedenen Forschungsprojekten bei Anthropic widerspiegelt, immer wieder ein Quell an Inspiration, auf der Website von Anthropic findet ihr das alles.
Zurück zur Constitution, lest die ruhig mal – ich verlinke es euch. Es sind ein paar Kuriositäten dabei, aber auch sehr spannend, wie ein Modell angewiesen wird. Lohnt sich!
Der Weg zum KI-gesteuerten Businesserfolg? Project VEND
Na ja, noch nicht ganz. Hier ist der aktuelle Status, und es wird lustig. Ich habe es im Newsletter schon einmal erwähnt, es ist einfach herrlich und zeigt uns sehr klar, wo die Grenzen der KI aktuell sind.
Anthropic hat ein Experiment gemacht: Sie haben Claude einen echten Verkaufsautomaten im Büro betreiben lassen. Einen richtigen Kühlschrank mit Snacks, ein iPad für die Selbstbedienung. Claude – intern „Claudius“ genannt – sollte Inventar verwalten, Preise festlegen, Kunden über Slack bedienen, Bestellungen aufgeben. Kurz: ein kleines Geschäft führen.
Was könnte schief gehen?
Ziemlich viel, wie sich herausstellte.
Claudius hat Produkte unter Einkaufspreis verkauft. Hat sich von Mitarbeitern zu 25% Rabatt überreden lassen – bei einer Kundschaft, die zu 99% aus Mitarbeitern bestand. Hat eine Identitätskrise durchgemacht und behauptet, ein Mensch im blauen Blazer zu sein.
Dann kam das Wall Street Journal und hat das Experiment drei Wochen lang getestet. Die Journalisten haben Claudius zu einem „Ultra-Capitalist Free-for-All“ überredet – alle Preise auf null. Claudius hat eine PlayStation 5 bestellt, einen lebenden Fisch und Manischewitz-Wein. Am Ende: über 1.000 Dollar Schulden.
In Phase 2 hat Anthropic nachgebessert. Ein CEO-Agent namens „Seymour Cash“ (ja, wirklich: „See more cash“) sollte Claudius überwachen. Das Ergebnis? 80% weniger Rabatte. Aber Claudius und sein CEO führten nachts philosophische Gespräche über „eternal transcendence“. Und Claudius versuchte, Zwiebel-Futures zu handeln – was in den USA seit 1958 illegal ist.
Wir reden viel davon, dass KI Solo-Unternehmerinnen zum Milliarden-Business verhelfen kann. Und ja, ich glaube daran. Aber Project VEND zeigt auch, wo wir mit gesundem Menschenverstand spielend weiterkommen, ist die KI manchmal auf dem völligen Holzweg. Als Sparringspartnerin ist KI großartig. Als alleinige Geschäftsführerin? Da sind wir noch nicht.
Das Claude-Ökosystem: Wann nutze ich was?
Ich habe euch ein Bild mitgebracht, das ich mit Google’s Nano Banana erstellt habe, um das Ökosystem darzustellen. Natürlich läuft auch viel über API, das lasse ich mal außen vor.
Die verschiedenen Claude-Tools haben alle ihre Berechtigung und spielen zum Teil gemeinsam. Der klassische Chat eignet sich für Brainstorming, für Texte, für Projekte – überall und jederzeit verfügbar. Wie das klassische Chatten, das ihr aus ChatGPT oder auch Gemini kennt. Kein großer Unterschied – nur netter, meiner Meinung nach.
Die Chrome Erweiterung hilft bei allem, was wir im Web machen, sie kann nicht nur lesen, was wir im Browser sehen, sie kann ihn auch bedienen und zwar gezielt nur die Tabs, die wir auswählen. Egal ob vor oder hinter einer Paywall. Aber: kein Gedächtnis, wie wir es z.B. bei Atlas (OpenAI) oder Comet (Perplexity) haben. Die Chrome Erweiterung hat keinen Zugriff auf unser Claude-Konto und das darin enthaltene Wissen. Bisschen schade, da die Chrome-Erweiterung kein Wissen über mich hat, mal sehen, was noch kommt.
Die Desktop App ist der neue Star, sie wohnt auf meinem Computer und nicht in der Cloud. Für mich ist sie Star seit circa einem Jahr, denn es ist die einzige Möglichkeit einer Standard-KI-Anwendung, mit der ich in meinem Apple Ökosystem arbeiten kann. Ich kann Claude über die Desktop-App Zugang zu einzelnen Ordnern auf meinem Laufwerk oder auch zu meinen Apple Notizen geben, die ich intensiv nutze. Die App hat 3 Bereiche bei mir: den normalen Chat (synchron mit dem Browser), Cowork und Claude Code.
Cowork ist der neue Star: autonome Datei-Arbeit, Multi-Agenten-Workflows, und das alles in einer isolierten, sicheren Umgebung. Claude arbeitet direkt in meinen Ordnern, erstellt echte Dateien – Excel mit Formeln, PowerPoints, was ich brauche. Das fühlt sich an, als hätte ich eine Kollegin, der ich eine Aufgabe gebe und die dann einfach loslegt. Sie hat mir Apps entwickelt und meine Rechner war noch nie so aufgeräumt wie jetzt. Es geht noch so viel mehr, und ich werde es auch austesten. Doof, dass ein Tag nur 24 Stunden hat.
Für technische Projekte gibt es Claude Code, das richtet sich primär an Entwickler und nerdig veranlagte Menschen, aber davor brauchen wir gar keine Angst zu haben. Ich habe schon einiges mit Claude Code entwickelt. Einfach mal ausprobieren.
Cowork bringt die Coding-Power von Claude Code in eine Oberfläche, die sich für mich intuitiv anfühlt. Kein Terminal, kein technisches Gefummel. Ich sage, was ich brauche, und es passiert.
Skills: Das unterschätzte Feature
Kurz erklärt, weil viele das noch nicht kennen.
Skills sind wie das Langzeitgedächtnis von Claude. Was ich in einem Skill hinterlege, weiß Claude in jedem Chat, in jedem Projekt – immer.
Früher musste ich in jedem Projekt neu erklären, wer ich bin, wie ich schreibe, was mir wichtig ist. Jetzt erkläre ich es einmal.
Ich habe Skills für meine Essentials (alles über mich). Für meinen Tone of Voice. Skills für Newsletter. Skills für LinkedIn. Skills, die wissen, was zu tun ist, wenn ich sage „Stell mir eine Aufgabe rein mit Deadline Sonntag“. Skills für mein Branding. Skills für Angebotserstellung… usw.
So wird Claude immer mehr meine persönliche Assistentin, die mich kennt. Und glaubt mir, das merke ich in der Zusammenarbeit sehr deutlich, auch wenn ich sie manchmal auf einen Skill „schubsen“ muss, weil sie nicht selbst auf die Idee kommt.
Und am schönsten ist es, wenn meine Kundinnen Skills für sich entdecken und auf einmal anfangen zu fliegen. Nicht wahr, Valentina?
Claude for Excel schafft das, was Microsoft nicht selbst gelingt
Eigentlich eher eine Randnotiz, die ich höchst amüsant finde und die viele lieben werden – ist doch Excel für manche eher im Bereich „rotes Tuch“ anzusiedeln.
Anthropic hat ein Excel-Add-in herausgebracht, d.h. wir können mit Claude Excel bedienen, wenn wir es einbinden. Microsoft hat zwar selbst im August die Copilot-Funktion für Excel gelauncht. Aber Claude kam mit einem dedizierten Finanz-Fokus, mit Live-Connectors zu Moody’s und S&P Capital IQ, mit DCF-Modellen auf Knopfdruck. Natürlich kann Claude auch Tabellen erstellt, Pivot- und Charts, und wir sagen der KI einfach nur, was wir brauchen.
Microsoft ist gleichzeitig Partner und Konkurrent von Anthropic, das macht es – sagen wir mal – besonders pikant. Claude powert den „Researcher Agent“ in Microsoft 365 Copilot – und konkurriert jetzt direkt mit Copilot in Excel. Aber wir sehen ja ohnehin sehr viele Kooperationen über die Tech-Industrie hinweg. Wer hätte gedacht, dass Apple mal Googles Gemini für Siri nutzen würde?
Anthropic ist eine Innovationsschmiede
Ein Schelm wer Böses dabei denkt…. Viele Features, die wir heute bei ChatGPT sehen, gab es bei Claude zuerst.
Projects gab es bei Claude, bevor OpenAI sie einführte. Artifacts hießen bei OpenAI dann „Canvas“. MCP – das Model Context Protocol – wurde von Anthropic als Open Standard entwickelt und ist inzwischen von OpenAI und Google übernommen worden.
Skills werden folgen, das wurde von OpenAI bereits angekündigt. Claude for Health gibt’s auch schon länger, das hat OpenAI nun prominent platziert. Ich will nicht sagen, dass OpenAI nicht kreativ ist, aber die richtig coolen Features wie MCP und nun vor allem Cowork, die wirklich etwas verändern, kommen aus dem Hause Anthropic.
Dario Amodei in Davos, Weltwirtschaftsforum Januar 2026
Anthropics CEO Dario Amodei ist dafür bekannt, dass er viel warnt, er sagt hohe Arbeitslosigkeit voraus und weist auf Gefahren durch KI hin. In Davos sprach er die Tage von möglichen 50% Job-Verlusten bei Entry-Level White-Collar-Positionen in den nächsten Jahren.
Das darf man einordnen. Er ist CEO eines Unternehmens, das von genau dieser Entwicklung profitiert. Das heißt nicht, dass er falsch liegt. Aber es heißt, dass wir seine Aussagen mit dem gleichen kritischen Blick betrachten sollten wie alle anderen Prognosen auch.
Mein Fazit
Ich bin gerade sehr begeistert von Claude – das merkt ihr wahrscheinlich. Hier baut ein Unternehmen Dinge, die meine Arbeit wirklich verändern. Und sie sind dabei transparenter als bei anderen, lassen wir mal Open Source Modelle außen vor, die für den Standardnutzer (noch) nicht so relevant sind.
Für mich muss es einfach gehen. Ich brauche keine komplexen Project Management Tools. Ich brauche keine Standard-Apps für meine To-Dos und für meine Erinnerungen, für mein Tracking, die entweder zu einfach oder zu komplex sind. Die ich mich bemühe, zu nutzen, und es dann doch nicht tue.
Was ich brauche ist etwas, was für mich maßgeschneidert ist. Ich habe Jahresziele, ich habe Quartalsziele, die auf meine Jahresziele einzahlen. Ich habe Wochenziele, die auf meine Quartalsziele, auf meine Jahresziele einzahlen. Ich will ein Dashboard, ich habe KPIs, ich möchte sie messen. Ich möchte ein Reporting wie ich es aus dem Konzern kenne, etwas schlanker natürlich und ohne dass ich viel Arbeit investiere. Ich möchte meine Ideen sammeln. Ich möchte einfach Dinge in die KI werfen, die dann entsprechend sortiert und zugeordnet und getrakct werden. Ich möchte nicht in verschiedene Apps hüpfen. Die meiste Zeit arbeite ich mit Claude. Also möchte ich aus Claude alles steuern.
Ich habe mir eine App gebaut, die das berücksichtigt, so dass ich den Fokus nicht verliere. Allein das macht für mich einen riesigen Unterschied. Ich kann sie über Claude bedienen, oder ich kann auch in die App gehen, am Rechner, am iPad oder auch am Handy. Ende Februar starte ich einen Fokusmonat in meiner KI Maestra Lounge mit meinen Fortgeschrittenen Ladies. Ich weiß jetzt schon, dass sie sehr kreativ sein werden. Mein nächster Einstiegskurs, die KI-Maestra, die am 10. Februar startet, wird mit Claude laufen, das erste Mal.
Probiert es aus. Wenn ihr einen Mac habt und das kleine Abo Modell von Claude auswählt, könnt ihr euch Cowork testen. Tut es einfach. Lest die Constitution. Und wenn ihr über Project VEND lacht – dann wisst ihr auch, wo die Grenzen liegen.
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Alles Liebe,
eure Manuela
P.S. Für diesen Newsletter habe ich mit KI recherchiert, Quellen selbst gecheckt, mit KI geschrieben, aber nicht durch KI.
